Varroaresistenz: Wie man Bienen auf VSH testet und züchtet
Die Varroamilbe ist für Imker in ganz Europa die größte Herausforderung. Sie schwächt die Bienen, überträgt Viren und kann ganze Völker zum Zusammenbruch bringen. Die meisten Imker behandeln deshalb jedes Jahr. Das Ziel vieler Züchter ist eine Biene, die selbst mit der Milbe fertig wird. Wie weit wir davon entfernt sind und wie man darauf hinarbeitet, erfährst du hier.
Wie vermehrt sich die Varroamilbe?
Die Varroamilbe (Varroa destructor) vermehrt sich ausschließlich in der verdeckelten Brut. Kurz bevor eine Brutzelle verschlossen wird, schlüpft die Milbe hinein und legt dort ihre Eier. Ihr Nachwuchs entwickelt sich zusammen mit der Bienenpuppe und verlässt die Zelle beim Schlupf der Biene. Genau an diesem Punkt setzen die Abwehrmechanismen der Bienen an.
Wie wehren sich Bienen gegen die Varroa?
- VSH (Varroa Sensitive Hygiene): Die Bienen erkennen Brutzellen, in denen sich Milben vermehren, öffnen sie und entfernen die befallene Puppe. Damit wird der Vermehrungszyklus der Milbe unterbrochen.
- Bruthygiene: Die Bienen erkennen kranke oder abgestorbene Brut und räumen sie aus.
- Recapping: Die Bienen öffnen verdeckelte Zellen, kontrollieren sie und verschließen sie wieder. Das stört die Milbe bei der Fortpflanzung.
- Brutpausen: Ohne Brut kann sich die Milbe nicht vermehren. Die Dunkle Biene legt im Herbst meist eine deutliche Brutpause ein, ein natürlicher Vorteil.
Diese Eigenschaften sind erblich. Deshalb kann man gezielt auf sie selektieren.
Wie testet man auf Varroaresistenz?
Gemeinsam mit Arista Luxemburg teste ich Völker nach einem genauen Ablauf:
1. SDI-Besamung
Die Königin wird mit dem Sperma eines einzigen Drohnen besamt (Single Drone Insemination). Alle Arbeiterinnen im Volk haben dadurch denselben Vater, und man sieht genau, welche Eigenschaften er vererbt.
2. Infestierung
Sobald das Volk aufgebaut ist und nur noch aus Arbeiterinnen der besamten Königin besteht, werden gezielt Milben eingesetzt.
3. Brutauszählung
Danach werden die Brutzellen einzeln geöffnet und unter der Lupe untersucht: Hat sich die Milbe vermehrt? Gibt es Nachwuchs? Oder haben die Bienen eingegriffen?
Vermehren sich die Milben kaum, ist das ein Zeichen, dass der Drohn wertvolle Eigenschaften vererbt. Seine Linie wird in der Zucht weitergeführt, und alle Töchter dieser Königin tragen seine Gene in sich.
Gibt es schon varroaresistente Bienen?
Ehrlich gesagt: noch nicht vollständig. Eine Biene, die ganz ohne Behandlung zuverlässig mit der Varroa zurechtkommt, ist bisher die Ausnahme. Aber mit jeder getesteten Generation kommen wir diesem Ziel ein Stück näher. Die Selektion auf VSH und Bruthygiene ist ein langer Weg, der sich lohnt.
Varroaresistenz in meiner Zucht der Dunklen Biene
In meiner Zucht in Godbrange gehört die Selektion auf VSH und Bruthygiene zu den wichtigsten Zielen, zusammen mit Vitalität, Sanftmut, guter Überwinterung und Honigertrag. Mein Ziel ist es, die robusten Eigenschaften der Dunklen Biene mit einer möglichst hohen Varroaresistenz zu verbinden.
Häufige Fragen
Muss ich mit einer auf VSH selektierten Königin nicht mehr behandeln?
Doch, zumindest vorerst. Kontrolliere den Milbenbefall weiterhin regelmäßig und behandle, wenn nötig. Selektierte Völker kommen oft besser mit der Milbe zurecht, ein Freibrief ist das aber nicht.
Was bedeutet SDI?
SDI steht für Single Drone Insemination, die Besamung einer Königin mit dem Sperma eines einzigen Drohnen. Sie wird vor allem in der Forschung und bei der Leistungsprüfung eingesetzt.